Von Windgöttern, Irrlichtern und Sirenen

14 aus 123 und wir sind dabei! Die Liz-Mohn Kultur- und Musikstiftung fördert im Jahr 2017 vierzehn Kulturprojekte:


Wenn ich fliegen könnte,
…von Windgöttern, Irrlichtern und Sirenen

ein Projekt der Medienwerkstatt der Oberschule Geestemünde im Frühjahr 2017 in Zusammenarbeit mit Unerhört-Verein für Neue Musik e.V. in Bremerhaven, den Künstlerinnen und Künstlern Ursula Flacke, Kazuyo Nozawa, Tanja Brüggemann, Conny Zenk, Paul Dombrink, Kira Kayembe und Kai Zeller

Ausgangslagen einer Schule in einer Stadt an der Wesermündung

Viele junge Menschen sind mit ihren Familien in Bremerhaven „gestrandet“, wenn man dann einen küsten-nahen Begriff verwenden mag. Sie kommen aus unterschiedlichen Ländern, Traditionen gekennzeichnet von babylonischer Sprachvielfalt und eher rudimentärer Verständigungsmöglichkeit. Die Schülerinnen und Schüler aus dem Bereich der Wahrnehmungs- und Entwicklungsförderung bringen häufig zusätzlich noch eine weitere Dimension in die tagtägliche Kommunikation ein.

Ebbe und Flut rhythmisieren unseren Alltag als wirksame Kräfte des Mondes. Wind, Sonne, Wolken bestimmen den tagtäglich Wandel und laden ein, sich über den äußeren Alltag mit dem persönlichen Tag im All zu beschäftigen.
Warum bin ICH hier und wo möchte ICH hin?

Eine Ortsbestimmung braucht handhabbare Instrumente. Seefahrer wissen ein Lied davon zu singen. Im Projekt „Wenn ich fliegen könnte“ wurden allerdings die Kräfte der Natur genutzt, um selbstgebaute Instrumente, die von Wind angetrieben werden (Bambusflöten, Flaschenpfeifen, Windbögen, Aeolharfen) zum Klingen zu bringen. Und kleine Soundmodule, vom Sonnenlicht genährt, tönen irgendwo zwischen Vogel- und Insektenwelten.

Ein perfektes Szenario für die Rekonstruktion einer Welt, in der Sinnbilder aus mystischen Zeiten, Geschichten über Windgötter, Irrlichter und Sirenen, die die nicht erklärbare Welt für die menschliche Wahrnehmung empfindsam und kommunizierbar werden lassen, mit einer neuen Symbolik aufgeladen wurden. Viele Formen von „Gänsehaut“ war das erklärte Ziel.

In der Vorbereitung haben über 100 Schülerinnen- und Schüler zwischen 11-und 13 Jahren Körperdrachen gebaut und in den Himmel gesetzt. Sie haben in der Holz- und Elektrowerkstatt ihr Klanginstrumentarium konstruiert. Sie haben gesägt, gefeilt oder elektronische Bauteile zu Instrumenten zusammengelötet. Hier konnten wir auf langjährige Erfahrung in der Projektarbeit an der Schule zurückgreifen.

Wir wollten und haben uns mit Natur-Geschichten aus verschiedenen kulturellen Traditionen und Epochen beschäftigt, verbunden mit der Hoffnung, dass wir da einen häuslichen Pool mit Geschichtenerinnerungen angraben können und wir etwas über die kulturelle Wirklichkeit unserer Schülerinnen und Schüler erfahren. Kurz summiert: Die Windgötter haben sich diesmal von den Sirenen entführen lassen und den Irrlichtern mit ihren Schauergeschichten den Platz in der ersten Reihe überlassen.

Die Drachen
sie flattern
und knattern
und rattern
und schnattern.

Sie kattern
und plattern
und schlattern
und jattern.

Juchhu!

Dank der Erfahrung unserer Schreibwerkstattleiterin Ursula Flacke (Kinder- und Jugendbuchautorin) ist gelungen, der Fantasie unserer Schülerinnen und Schüler der 5. Klassen über 50 Texte entstehen zu lassen. Sicherlich wurden hier manchem Irrlichtern aus der Märchenwelt und den aktuellen Computerspielewelten zu einer variierten Auferstehung verholfen. Aber jeder Text wurde gemeinsam mit seinem Schöpfer besprochen und redigiert.

Die Komponistin Kazuyo Nozawa hat anschließend gemeinsam mit den Autorinnen und Autoren klangliche und musikalische Gestaltungsmöglichkeiten erarbeitet. Die Theaterpädagogen Kira Kayembe und Paul Dombrink haben gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern körpersprachliche und tänzerische Ausdrucksformen zu den entstandenen Texten entwickelt.

Auf eine hörspielartige Umsetzung als weiteres Gestaltungsmittel setzte Musikproduzent Jens Carstensen.

Eine mediale Interpretation mit den Mitteln aktueller technischer Kommuniukationswerkzeuge wurde durch die beiden Wiener Künstlerinnen Tanja Brüggemann und Conny Zenk begleitet. Das Eindringen des Menschen in die unerforschten Welten als Beginn einer Zerstörung dieser Systeme wurde anhand der antarktischen Lebensraumes altersgerecht umgesetzt, ein wichtiger Kontrapunkt innerhalb des gesamten Projektes.

Aus diesen Bausteinen entwickelte sich die Gesamtpräsentation, die im westlichen während 2 Projektwochen vorbereitet und entwickelt wurden. Das Ergebnis war ein Abend, bei dem in einem für dieses Alter und dieser multikulturellen Zusammensetzung eine unglaubliche Konzentration abgerufen wurde, denn der Schwerpunkt waren Texte, denen zugehört wurde. Für die gut 50 Sprachanfänger stellten sowohl Vortrag des eigenen Textes wie auch der sprachliche verständliche Nachvollzug der präsentierten Geschichten eine hohe Anforderung, der sie sich mit Leidenschaft und Bravour hingaben.

Wir glauben, dass das wesentliche Ziel eines erfolgreichen Projektes der Wunsch und das Verlangen nach einem Mehr und Weiter erweckt. Oder wie wir es etwas ausschweifend in unserem Bewerbungsantrag als Fazit heraufbeschwören:

Die Welt um uns mit ihren natürlichen Erscheinungen sensibilisiert uns für die alltäglichen kleinen Dinge. Wir werden wach(er) und entwickeln ein Verständnis zwischen uns und für andere. Und selbst die alten Geschichten und die verschiedenen kulturellen Linien halten für einen Moment Hochzeit. Und das ist der Anfang für etwas Neues, Gemeinsames!

Die Oberschule Geestemünde verfolgt in diesem Schuljahr den Ansatz mit Werkstätten in enger Kooperation mit originär unterrichtlichen Angeboten alter Schule. Fächerübergreifendes Denken und Arbeiten sind erstmals in der Stundentafel zu finden. Vieles dieser bildungspraktischen Arbeit wird mit Bordmitteln der Schule organisiert. Außerschulische Anregungsträger sind immer mit extra Finanzierungen und damit mit Wettbewerben und Anträgen verbunden. Mit beharrlicher Netzwerkarbeit und etwas Glück hoffen wir auf den Zuschlag für die Realisierung unserer kommenden Ideen.

Unerhört-Verein für Neue Musik e.V. fördert gerne weiterhin diesen Aspekt der schulischen und außerschulischen Kreativarbeit und freut sich stets, wenn er innerhalb seines Bildungsengagements für zeitgenössische Kunstausdrucksformen Projekte dieser Art ermöglichen kann.

In Zusammenarbeit mit Unerhört-Verein für Neue Musik e.V.

gefördert von der
Liz Mohn Kultur- und Musikstiftung

Die Pressemitteilung–>Liz Mohn Kultur- und Musikstiftung Förderungen 2017

Wenn ich fliegen könnte…

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